Jahresbericht Gastronomie Deutschland 2025
Amtliche Jahresbilanz 2025: Die deutsche Gastronomie verlor real 2,2 % – das dritte Verlustjahr in Folge. Realer Rückstand zu 2019 wächst auf ca. −18,7 %. Rund 2.900 Gastronomie-Insolvenzen – höchster Stand seit 2011. Parallel erholt sich der Hotelinvestmentmarkt: 1,66–1,9 Mrd. € Transaktionsvolumen bei stabiler Spitzenrendite von 5,25 %.
Executive Summary
2025 war das dritte reale Verlustjahr in Folge für die deutsche Gastronomie. Das Gastgewerbe setzte 2025 real 2,1 % weniger um als 2024 (nominal +1,4 %); die Gastronomie verlor real 2,2 % (nominal +1,8 %), die Beherbergung 2,0 %. Der reale Rückstand zu 2019 wächst statt zu schrumpfen: Gastgewerbe insgesamt ca. −14,9 %; Gastronomie im engeren Sinn ca. −18,7 %.
Das Paradox des Jahres 2025: Der Deutschland-Tourismus erlebte ein Rekordjahr bei den Übernachtungen – und trotzdem verlor selbst die Beherbergung real Umsatz, während die Gastronomie ungebremst weiter schrumpfte. Die Konsumzurückhaltung am Tisch traf auf einen Kostenblock, der laut DEHOGA seit 2022 um bis zu 40 % gestiegen ist.
Sechs Jahre in vier Phasen
Phase 1 – Corona-Absturz (2020/2021): 2020 brach der reale Gastgewerbeumsatz um 39,0 % ein; 2021 auf −40,3 % gegenüber 2019 – die beiden schwächsten Jahre seit Beginn der Zeitreihe 1994.
Phase 2 – Wiedereröffnungs-Boom (2022): +45,4 % real, getragen von der Beherbergung (+63,8 %); dennoch blieben 12,5 % Lücke zu 2019.
Phase 3 – Inflationsjahr (2023): nominal +8,5 %, real nur +1,1 % – das Plus stammte allein aus Q1 (+15,9 %).
Phase 4 – Konsumkrise (seit 2024): Reale Umsätze 2024 (−2,6 %) und 2025 (−2,1 %) erneut gesunken – der Abstand zu 2019 wuchs von −11,3 % (2023) auf ca. −14,9 % (2025).
Die Schere zwischen Hotellerie und Gastronomie
Die Beherbergung näherte sich dem Vorkrisenniveau bis auf rund 5 % an (2025). Die Gastronomie entfernt sich seit 2023 weiter: von ca. −13,6 % (2023) über −16,9 % (2024) auf ca. −18,7 % (2025). Innerhalb der Gastronomie ist die getränkegeprägte Gastronomie (Kneipen, Bars, Clubs) mit real rund einem Drittel Rückstand am stärksten betroffen.
Die Differenz von rund 25 Prozentpunkten zwischen nominaler und realer Betrachtung seit 2019 ist die Preisillusion, die in keiner Pacht- oder Kaufpreisableitung unkorrigiert bleiben darf.
Insolvenzen 2025: der Höhepunkt der Marktbereinigung
Rund 2.900 Gastronomie-Insolvenzen (+29,6 %, vierter Anstieg in Folge) – der höchste Stand seit 2011. Das Gastgewerbe lag mit 108 Insolvenzen je 10.000 Betriebe auf Rang 2 aller Branchen. Auf jede Insolvenz kamen 2020–2025 rund sechs stille Betriebseinstellungen – kumuliert über 11.200 Insolvenzen und fast 69.000 Betriebsaufgaben seit 2020.
Konsequenzen für den Immobilienmarkt
Der Hotelinvestmentmarkt drehte 2025 nach oben: 1,66–1,9 Mrd. € Transaktionsvolumen (+19 bis +40 % je nach Datenbasis) bei stabilen Spitzenrenditen von ca. 5,25 %. Das Kapital kehrt zurück – selektiv und ertragswertdiszipliniert.
Gastronomische Betreiberimmobilien – insbesondere getränkelastige Konzepte – brauchen eine ehrliche Neubewertung der nachhaltigen Pachtansätze. Die Rekord-Marktbereinigung drückt laufend zusätzliche Flächen, Nachfolge- und Verpachtungsobjekte in den Markt. Für Käufer und expansionsstarke Betreiber entsteht ein günstiges Einstiegsfenster; Verkäufer brauchen ertragswertbasierte Preisableitung und diskrete Vermarktung.